Wie man sich Loslassen vorstellen kann

Immer wieder werde ich in den vielen E-mails, die mich erreichen gefragt, wie man denn loslassen kann, was das überhaupt ist und wenn man es schafft, wie lange es dauert, bis die Angst verschwindet.

Tja, das mit dem Loslassen ist so eine Sache, die sich schwer erklären läßt
und noch schwerer verwirklichen. Das ging mir nicht anders und ich habe zwei
Jahre gebraucht, bis ich es geschafft hatte.
Aber trotzdem geht es und es ist meiner Meinung nach der einzige Weg, um die Angst auch wirklich loszuwerden.

Ich habe mir selbst oft ein Beispiel vorgehalten: Die Angst ist wie ein
ungebetener Besuch. Stell Dir vor, in Deiner Wohnung sitzt jemand, den Du
absolut nicht magst und Du wärst froh, er würde so schnell wie möglich
verschwinden. Was tust Du? Mit Sicherheit tischst Du ihm kein großes Essen
auf und unterhälst Dich angeregt mit ihm. Warum tust Du es dann mit der Angst,
indem Du ständig mit ihr sprichst und auf sie hörst und ihr Beachtung schenkst?

Mit dem unerwünschten Besuch verfährst Du doch anders, Du tust eins von drei Dingen:
Entweder, du ärgerst Dich unheimlich und frißt es in Dich hinein.Das ist das gleiche,
als wenn Du Dir wegen Deiner Angst immer Selbstvorwürfe machst und Dich ärgerst, daß du sie hast.
Das ist keine gute Idee, damit schadest Du Dir nur selbst und Deine Nerven kannst Du irgendwann wegwerfen.

Oder Du streitest mit dem Besuch und bittest ihn, zu gehen, aber er läßt
sich nicht einschüchtern, es macht ihm sogar Spaß, wenn Du Dich ärgerst und
er bleibt eisern sitzen. Das ist das gleiche, als wenn Du täglich mit Deiner
Angst kämpfst. Kämpfen ist Festhalten und so wird man die Angst nie los.
Kämpfen ist negatives Beachten. Auch keine gute Idee, denn die Angst will ja beachtet werden.
Ihr ist es egal, ob Du sie magst oder nicht, Hauptsache, Du beachtest sie.

Oder aber, Du ignorierst Deinen Besuch einfach. Du denkst "Du kannst mich mal" und gehst einfach Deiner Arbeit nach und tust so,
als wäre keiner da. Das ist schwierig, zugegeben und der Besuch, der ja beachtet werden will, wird nicht gleich verschwinden.
Er wird sich erstmal lautstark melden und Dich ständig dran erinnern, daß er da ist. Aber wenn Du Dich davon nicht beeindrucken läßt
und ihn weiterhin links liegen läßt, dann wird es ihm irgendwann zu dumm und er wird stiller und stiller und irgendwann nimmt er seine Sachen und geht. Er wird noch hin und wieder an Deine Tür klopfen und versuchen, Dich zu überlisten wie ein lästiger Vertreter, aber es liegt an Dir, ob Du ihm Aufmerksamkeit schenkst oder nicht. Was nicht beachtet wird,verschwindet irgendwann. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz.
Es verschwindet auch aus Deinen Gedanken.  So ist es auch mit der Angst und das meine ich mit Loslassen.
Der Weg dahin ist schwierig, das stimmt, aber lohnend.

Es nützt also überhaupt nichts, sich über sich selbst zu ärgern, mit sich zu hadern oder sich zu bedauern.
Es nützt genauso wenig, ständig gegen sich selbst zu kämpfen oder gegen die Angst.
Der Besucher "Angst" ist ja in Deiner Wohnung, also in Deinem Körper und wenn Du dagegen kämpfst, kämpfst Du gegen Dich selber.

Das einzige, das etwas bringt, ist:
Sich ablenken so gut es geht, die Angst nicht beachten, "einfach" tun, was zu tun ist,
seiner Arbeit nachzugehen oder was auch immer und zu denken: "Du kannst mich mal, ich werde nicht auf Dich hören."
Wenn man sie lange genug ignoriert, dann verschwindet sie von selbst. So wie man gelernt hat, die Angst zu BEachten,
so kann man auch lernen, sie NICHT MEHR zu beachten. Letzteres dauert etwas länger, das ist richtig,
aber vielleicht hilft es dem einen oder anderen, an das Beispiel mit dem Besuch zu denken. Viel Erfolg!

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Diese Site ist online seit: 06.06.1999 Stand der letzten Bearbeitung: 16.03.2001